Posts mit dem Label Glockentürme werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Glockentürme werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 14. April 2013

Glockentürme (11) - Turm der alten Rüngsdorfer Kirche

Für Nova's Glockenturm-Projekt habe ich längere Zeit keine Beiträge mehr geschrieben. Daher habe ich in der letzten Woche die Kirche St. Andreas in Bonn-Rüngsdorf aufgesucht. Die Kirche wurde im 12. Jahrhundert im romanischen Stil gebaut und ist eine der ältesten Kirchen im Bonner Stadtgebiet. Das Langhaus wurde 1888 abgerissen, da die Kirche für die größere Zahl der Gläubigen zu klein geworden war. In rund einhundert Metern Entfernung wurde St. Andreas neu gebaut. Dabei wurde die Inneneinrichtung – die teilweise aus dem 15. Jahrhundert stammte – in den Neubau verlagert.


  
Der Kirchturm hat die Jahrhunderte überdauert und stammt original aus dem 12. Jahrhundert. Zwei Glocken stammen aus den Jahren 1746 und 1790. Die dritte Glocke wurde im zweiten Weltkrieg eingeschmolzen und 1980 neu gegossen.

Außergewöhnlich ist der offene Chor, in den man hineinschauen kann.


Neben der Kirche befindet sich ein Friedhof mit steinernen Grabkreuzen.


Manche Gräber stammen aus dem 17. Jahrhundert (1669 bzw. 1684).


Ein Insektenhotel rundet das Gesamtbild der Kirche ab.

Mittwoch, 13. März 2013

Glockentürme (10): Madame Bovary und die Kathedrale von Rouen / Frankreich


Ihre Liebe begann unter einem Glockenturm.

Emma hatte Léon schon vor vielen Jahren kennen gelernt, als sie und ihr Mann Charles ihr Haus in Yonville in der Picardie gekauft hatten. Er war Notariatsgehilfe. Als der Notar sie zu einem Abendessen eingeladen hatte, erzählten sie sich dieses und jenes. Sie waren sich sympathisch, und Emma spürte, dass Leidenschaft und Gefühle entflammt worden waren.

Sie, Emma, sie war die „Madame Bovary“ in Gustave Flaubert’s Meisterwerk. Tanz und Vergnügen, Bälle und rauschende Feste, gesellschaftliche Anerkennung und aufregende Ereignisse – das vermisste sie in der Provinz Nordfrankreichs. Sie war extrovertiert und wollte unter Menschen. Sie wollte neue Horizonte entdecken und gab sich nicht mit dem zufrieden, was sie hatte. Der Dorfalltag war so langweilig wie ihr Ehemann Charles: als Landarzt verkörperte er ein Mittelmass, er brauchte seinen strukturierten Alltag, er fand sich in den vertrauten dörflichen Strukturen zurecht. Er suchte die Ruhe und zog sich gerne zurück. Kurzum: ihre Lebensentwürfe passten nicht zueinander.

Mit ihren Abenteuern der Liebe suchte Emma diesem tristen Alltag zu entkommen. Nach ihrer ersten Begegnung hatten sie sich aus de Augen verloren, denn Léon war nach Paris gezogen. Dort studierte er Jura. Zufälligerweise, als sie mit ihrem Ehemann eine Theatervorstellung in Rouen besuchte, traf sie Léon. Er hatte mittlerweile sein Jura-Studium beendet und lernte bei einem Richter die Rechtspflege in der Départements-Hauptstadt der Normandie.

Charles war ein fürsorgender und besorgter Ehemann, der die Liebschaften seiner Ehefrau nicht im Auge hatte. Als Emma Interesse auf Klavierspielen zeigte, schickte er sie regelmäßig nach Rouen, um Klavierunterricht zu nehmen. Doch sie lernte kein Klavier, sondern traf sich mit ihrem Liebhaber.

Um 11 Uhr an der Kathedrale. Als Treffpunkt für das Rendez-vous hatten sie die gotische Kathedrale ausgewählt, eine der Glanzpunkte des Kathedralbaus in Nordfrankreich. Léon war aufgeregt und schon zwei Stunden früher stand er vor dem Hauptportal. Endlich kam sie. Sie lagen sich in den Armen, sie küssten sich ohne Ende und ihre Leidenschaft füreinander wollte nicht aufhören. Ein Schweizer drängte sich auf, sie durch die Kathedrale zu führen. Emma und Léon schafften es nicht, ihn abzuwimmeln.

Er erzählte über die Glocke der Kathedrale von Rouen:
„Das hier ist der Umfang der berühmten Glocke des Amboise. Sie wiegt vierzigtausend Pfund und hat ihresgleichen nicht in Europa. Der Meister, der sie gegossen hat, ist vor Freude gestorben …“
Der Schweizer bot ihnen an, den Glockenturm zu besteigen. Doch sie lehnten ab, Léon gab dem Schweizer ein großes Silberstück, sie verließen die Kathedrale durch das Hauptportal. In einer Pferdekutsche wollten sie für sich alleine sein. Ziellos fuhr die Pferdekutsche durch Rouen. In höchsten Sphären schwebend, ließen sie die Stadt mit ganz vielen Fachwerkhäuser vorbei gleiten.

Diese Rendez-vous’ konnten sich wiederholen, denn einmal wöchentlich hatte Emma Klavierunterricht in Rouen, und einmal wöchentlich konnten Emma und Léon ihre heiße Leidenschaft und Lust ausleben. Charles schöpfte nicht den geringsten Verdacht. Die Begegnungen häuften sich, denn Léon kam auch nach Yonville. Außerdem schrieben sie sich leidenschaftliche Briefe. Und Charles ? Mit einer fingierten Quittung bezahlter Klavierstunden belog sie ihn. Charles ließ sie sogar in Rouen übernachten. Ihre Betrugsmanöver, sich heimlich zu treffen, wurden immer ausgefeilter. Schließlich war es ein einziges Lügengebäude, in das Emma schlüpfte. Sie verstand es, sich zu verstellen und ihrem Mann etwas vorzuspielen, so dass Charles nichts mitbekam.

Flaubert (geboren 1821, gestorben 1881) habe ich genossen. Madame Bovary gehört sicherlich zu den Klassikern der Weltliteratur, auf Augenhöhe mit Goethe oder Schiller. Mit seinem Stil, Charaktere und Verhaltensweisen in den Vordergrund zu stellen, ähnelt er Balzac, der ungefähr zu derselben Zeit gelebt hat. Ähnlich wie bei Balzac, sind es böswillige, verschwendungssüchtige, dreiste, kühne oder machtbesessene Charaktere, aus denen sich tragische Einzelschicksale entwickeln. Flauberts Stil lebt zudem mit der Bodenständigkeit, die Menschen auf der Straße in dem Dorf in der Picardie in vielerlei Einzelheiten und Facettierungen zu beschreiben. Scheinbar belanglose Alltagsszenen bindet er in die Dramatik des Geschehens ein.

Der hemmungslose und in aller Offenheit beschriebene Ehebruch der Madame Bovary brachte Flaubert zunächst vor Gericht. Wegen des Verstoßes gegen die guten Sitten sollte er verurteilt werden, doch mit seiner eigenen Redegewandtheit wusste er sich zu verteidigen, so dass das Verfahren eingestellt wurde.

Es war erneut ein Glockenturm, der Emma einsichtig werden ließ.
„Wenn es irgendwo auf Erden ein Wesen gab, stark und schön und tapfer, begeisterungsfähig und liebeserfahren zugleich, mit einem Dichterherzen und einem Engelskörper, ein Schwärmer und ein Sänger, warum war sie ihm nicht zufällig begegnet ? Ach, weil das eine Unmöglichkeit ist ! Weil es vergeblich ist, ihn zu suchen ! Weil alles Lug und Trug ist. Jedes Lächeln verbirgt immer nur das Gähnen der Langeweile, jede Freude einen Fluch, jeder Genuss den Ekel, der unvermeidlich folgt !“
Sie saß auf der Bank an einem Kloster. Als Emma zu sich kam, schlug die Klosterglocke viermal.

Emma hatte sich längst übernommen. Vierundzwanzig Stunden rund um die Uhr war sie damit beschäftigt, die Architektur ihres Lügengebäudes so zurecht zu rücken, dass ihr Ehemann nichts von ihrer heimlichen Liebe bemerkte.

Sie lebte über ihre Verhältnisse, über ihre Finanzen hatte sie längst den Überblick verloren, der Schuldenberg häufte sich an. Unter dem massiven Druck ihrer Schulden – das Haus der Eheleute drohte zwangsversteigert zu werden – beendete sie die Beziehung zu Léon.

Das Ende war tragisch: Gläubiger und Schuldscheine und die Zwangsversteigerung des Hauses im Nacken, beging sie Selbstmord, indem sie sich vergiftete.

Herzlich bedanken möchte ich mich bei Anna, die mir erlaubt hat, ihre Fotos von der Kathedrale von Rouen auf meinem Blog zu zeigen.

Freitag, 15. Februar 2013

Glockentürme (9) - der Glockenturm in Regniéville (Frankreich) als Mahnmal an den ersten Weltkrieg


Schon nach einem Monat war die Begeisterung in Starre übergegangen. Am 3. August 1914 hatte auf der Wilhelmstraße in Berlin das Volk gejubelt. „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche“, in einer flammende Rede hatte der deutsche Kaiser zu der Kriegserklärung Stellung bezogen. Die Menschenmassen waren außer sich, die Stürme der Begeisterung nahmen kein Ende. Alle wollten in diesen heiligen Krieg, in dem sich alle Nationen gegen das Deutsche Reich verschworen hatten.

Quer durch Belgien, dessen Neutralität sie verletzten, marschierten die deutschen Truppen immer tiefer nach Frankreich, bis die Schlacht an der Marne das schwindelerregende Tempo des Durchmarschs stoppte. Das war einen Monat später. Danach erstarrte der erste Weltkrieg in einem Stellungskrieg, in dem Geländegewinne nur in Metern verbucht werden konnten. Irrsinnige Materialschlachten entstanden, in denen die Feinde sich gegenseitig mit Mörsern, Granaten, Bomben, chemischen Kampfstoffen und mit der ganzen Tötungsmaschinerie bekämpften.

Neben den Kriegsschauplätzen im Norden – Ieper, Vimy oder des chemin des dames – war es vor allem Verdun, das als Symbol des Wahnsinns Eingang in die Geschichte gefunden hat. Der Ring von Festungssystemen, unterirdisch angelegt, mit Munitionsdepots, Lazaretten und selbst Bäckereien, setzte sich südlich von Verdun quer durch Lothringen fort.

Dort tobten die Kämpfe in derselben Erbarmungslosigkeit wie im Rest von Nordfrankreich. Im Gegensatz zu Verdun eroberten die deutschen Truppen bereits im September 1914 die Festung Saint-Mihiel – etwa 30 Kilometer westlich von Metz. Südlich von Saint-Mihiel erstreckten sich ausgedehnte Wälder, in denen der Stellungskrieg tobte, ähnliche Materialschlachten wie in Verdun geschlagen wurden und die Feinde sich gegenseitig neutralisierten.

Dörfer und Städte, die in diese Frontlinie hinein gerieten, sahen ähnlich zerstört aus wie manche Städte im Rheinland nach dem zweiten Weltkrieg – wo beispielsweise Düren zu 100% zerstört wurde. Diese totale Zerstörung ereilte im ersten Weltkrieg auch den Frontabschnitt in den Wäldern vor Saint-Mihiel. Darunter war auch das Dorf Regniéville.

Alleine der Stumpf der barocken Kirche ragte aus der Trümmerwüste heraus. Anderenorts entlang der Frontlinie wurden Glockentürme militärisch zweckentfremdet: mit ihrer Höhe ragten sie aus der Hügellandschaft hinter der Mosel heraus, und man nutzte sie als Beobachtungsposten. Man entfernte die Glocken; Dachziegel nahm man heraus, um die Lücken als Schießscharten zu verwenden; Maschinengewehre positionierte man auf der Plattform des Glockenturmes.

Nachdem Regniéville zwischen die Fronten geraten war, flohen die Bewohner in sichere Teile Lothringens – das war tiefer nach Westen oder Süden in das Mittelgebirge der Argonnen hinein. In einem Tagebuch berichtet ein französischer Soldat, wie im März 1915 die Gegend um Regniéville als militärisches Aufmarschgebiet diente. Zwischen zerstörten Dörfern und Städten klammerte sich der übrig gebliebene Stumpf des Glockenturms an seine Existenz und beobachtete das geschäftige Treiben, das an einen Ameisenhaufen erinnerte. Fahrzeugschlangen mit Waffen, Munition und Kanonen holperten über unwegsame Straßen. Die aufeinandergestapelte Munitionskisten erreichten mitunter die Höhe von Häusern, die nun zu Ruinen geworden waren. Aus den Schützengräben trugen die Sanitäter des Roten Kreuzes das Elend von Verwundeten und Toten in Sicherheit. Kompanien von Soldaten marschierten in ihre Stellungen, in umgekehrter Richtung kehrten andere Soldaten zurück.

Den harmonischen Klang der Glocke hatte der Krieg längst ausgelöscht. Dafür hallte in der Ferne der metallische Klang des Kanonendonners. Nervös, fast im Flüsterton, entluden sich Gewehrschüsse in kurzer Abfolge hintereinander. In der Ferne, wuchs der Lärm eingeschlagener Granaten mit einem dumpfen Knall an.

Als im November 1918 der zweite Weltkrieg zu Ende ging, war außer den kargen Resten des Glockenturmes nichts mehr von Regniéville übrig geblieben. Ob bzw. Wie Regniéville wieder aufgebaut wurde, entschied letztlich das Erzbistum in Toul. Es gab insgesamt drei Orte in Lothringen, in denen diese Orte mitsamt der Kirche in einem solchen Umfang zerstört waren, dass sich ein Wiederaufbau der Kirche nicht lohnte. Im Jahr 1920 entschied der Erzbischof von Toul, dass diese drei Orte (außer Regniéville waren dies Remenauville, Fey-en-Haye und Flirey) als Mahnmal an den zweiten Weltkrieg nicht wieder aufgebaut wurden. Die Kirchen wurden ebenso nicht wieder aufgebaut, wobei an derselben Stelle neue Kirchen in einem zeitgemäßen Stil gebaut wurden.

So wurde in Regniéville im Jahr 1920 eine Kapelle (anstelle einer Kirche) im neoromanischen Stil neu gebaut – mitsamt einem Glockenturm.

Der Glockenturm von Regniéville gehört heute zur Gemeinde Thiaucourt. Und in Thiaoucourt wurde eine der größten deutschen Soldatenfriedhöfe in Frankreich angelegt.

Ganz herzlich möchte ich mich bei Mam Léa für die ausgezeichnete deutsch-französische Zusammenarbeit bedanken, denn sie hat es mir erlaubt, ihre Fotos von Regniéville auf meiner Blog-Seite zu veröffentlichen.



Montag, 21. Januar 2013

Glockentürme (8) - deutsch-französischer Glockenturm in Mirecourt und Bonn-Schwarzrheindorf


1957 wurden Jean Noel und André Laurent stutzig. Jean Noel war Priester in Mirecourt, einer 8.000-Seelen-Stadt zwischen Nancy und Epinal, der Hauptstadt des Département Vosges – irgendwo in Lothringen.

Der Ausläufer der Vogesen krümmen sich über die Hügellandschaft. In einem Seitental der Mosel gelegen, ragt der Glockenturm aus den engen Straßen zwischen flach herunter gezogenen Häuserdächern heraus. Die Kirche „Notre dame de la nativité“ in der Jean Noel Pfarrer war, liegt im Herzen des Städtchens Mirecourt.

Gemeinsam mit André Laurent, einem anderen Pfarrer im Département Vosges, recherchierten die beiden die Spuren des Heiligen Pierre Fourier, der in Mirecourt geboren war. Noch heute gibt es eine Inschrift aus dem Jahr 1608, dass Pierre Fourier in der Kirche „Notre dame de la nativité“ 1565 getauft worden ist. „Nativité“ bedeutet Geburt, so dass die Kirche nach Pierre Fourier benannt worden ist.


Bei den Recherchen stießen die beiden im Glockenturm auf eine Glocke, die dem Heiligen Michael (und der Kirchenpatronin Maria Magdalena) geweiht war. Der Heilige Michael ist ein Schutzpatron, der von Soldaten während Schlachten angerufen wurde. Die erste Erscheinung des Heiligen Michael auf einem Berg in Apulien in Süditalien datiert aus dem Jahr 496. Pierre Fourier wurde heilig gesprochen, da er während der Reformation den Augustiner Klosterorden gegründet hatte mit der Absicht, der Versklavung von Frauen in der Männergesellschaft entgegen zu wirken. Was haben die beiden Heiligen miteinander zu tun ? Nur soviel, dass die Glocke des Heiligen Michael in der Kirche des Heiligen Fourier zufällig gelandet war.

Als Jean Noel und André Laurent die Glocke betrachteten, rätselten sie und staunten, denn die Glocke trug die Aufschrift „Schwartzenrheindorff“. Obschon manche Dörfer und Städte in Lothringen auf „-dorff“ oder „-troff“ enden, gab es nirgends einen Ort oder eine Stadt namens „Schwartzenrheindorff“.

Woher stammte die Glocke ? In der Stadtchronik und Archiven wurden sie fündig. Die Glocke war eine Kriegsbeute der Napoleonischen Truppen, nachdem diese 1794 das Rheinland besetzt hatten. Bei Beutezügen in der damaligen Zeit war es durchaus üblich, Städte zu plündern und alles, was kostbar war, einzukassieren. Dazu gehörten auch Glocken.

Die Glocke war aus der Doppelkirche in Bonn-Schwarzrheindorf aus dem 12. Jahrhundert geraubt worden. Im Jahr 1636 war die Glocke gegossen worden und dem Heiligen Michael und Maria Magdalena geweiht worden. Die französischen Besatzungstruppen hatten offensichtlich eine Verwendung für diese Glocke. So wurden die 330 Kilogramm Glockengewicht nach Mirecourt in Frankreich geschafft, so dass die Kirche des Heligen Fourier dem Heiligen Michael Unterschlupf gewährte.

Was tun ? 1957 hatte sich das Verhältnis zwischen den Erzfeinden Deutschland und Frankreich längst entspannt. Jean Noel und André Laurent reisten nach Bonn, um die Kirche des Heiligen Michael kennen zu lernen, aus dem die Glocke geraubt worden war.

Diese Reise fiel genau in die Phase hinein, in der die Grundlagen für die deutsch-französische Freundschaft geschaffen wurden. So jährt sich Morgen der 50. Jahrestag der Elysée-Verträge, die zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle unterzeichnet wurden.

Die Glocke geriet in den Sog der Außenpolitik. Das Schicksal der Glocke wurde somit auf höchster politischer Ebene diskutiert. Es war gemeinsamer Wunsch der beiden Kirchengemeinden in Mirecourt und Bonn-Schwarzrheindorf, die geraubte Glocke von Mirecourt nach Bonn zurückzuführen und der Kirchengemeinde Mirecourt eine neue Glocke zur Verfügung zu stellen. Dafür spendierten die beiden Staaten entsprechende Geldmittel.

Kurz darauf, gründeten Bonn-Schwarzrheindorf und Mirecourt eine Städtepartnerschaft. Am 27. März 1965 war es dann soweit: die Glocke aus dem Jahr 1636 war in Bonn-Schwarzrheindorf aus Mirecourt wieder angekommen. Gleichzeitig war die neue Glocke für die Kirche „Notre-dame de la nativité“ in Mirecourt fertig gegossen worden.

Beide Glockentürme wurden mit einem großen Fest gefeiert, dabei war in Bonn Konrad Adenauer sogar persönlich anwesend. Unter den Gratulanten gehörte auch Papst Paul der VI., der mit diesen Glockentürmen all die Liebe zweier christlicher Völker verband.

So sind zwei Glockentürme zum Symbol der Freundschaft zwischen Deutschen und Franzosen geworden.

Bedanken möchte ich mich bei der französischen Bloggerin MamLéa, die mir die Veröffentlichung der Fotos aus Ihrem Blog erlaubt hat.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Glockentürme (7) - Lakenhal in Ieper / Belgien


Katzen von einem Glockenturm herunter werfen ? Das klingt unglaublich, es ist aber eine jahrhundertealte Tradition in Ieper in Belgien.

Zwischen 1200 und 1304 erbaut, ist die Lakenhal (=Tuchhalle) von Ieper eine der größten profanen Gebäude Europas im gotischen Stil. Die Lakenhal verkörpert bis heute Glanz und Größe der ehemaligen Hansestadt, die gemeinsam mit Brügge und dem Wissen der Kaufleute reich geworden ist. Etwa 50 Kilometer südlich von Brügge gelegen, könnte man Ieper als kleine Schwester von Brügge vergleichen, wenngleich der Reichtum dieser Schwester-Stadt im Mittelalter immens gewesen sein musste.

Ieper wuchs und gedieh ab dem 11. Jahrhundert, als sich über die Hansestädte Warenmärkte in ganz Europa öffneten. Der Seehandel blühte auf mit größeren Verladekapazitäten auf den Koggen, Kompaßkarten erleichterten die Navigation, feste Steuerruder setzten sich im Heck durch, mit größeren Segelflächen gelang es immer besser, gegen den Wind zu segeln. Kostbare Waren wie Stoffe, Glaswaren, Porzellan, Waffen, Gewürze, Wein oder auch Tuche wurden zu Wasser transportiert. Die Wirtschaftsräume von Ostsee und Nordsee wurden miteinander vernetzt, der Fernhandel wurde von Exportgewerbeorganisationen dominiert. Die Fernhandelskaufleute leiteten ihre Geschäfte von einem Handelskontor aus.

Im Schatten der Nordsee, war Flandern durchzogen von Flussniederungen, die ideale Anbaubedingungen für Flachs boten. Über den Handelsverkehr wurde zudem aus dem nahen England Wolle importiert. Aus Flachs wurde Leinen gesponnen. Die Tuchmanufakturen in Flandern spezialisierten sich auf hochwertige, schwere Tuche, die in ganz Europa reißenden Absatz fanden. Die Tuchproduktion lief auf Hochtouren, in jeder Türöffnung der Lakenhal wurden diese zum Verkauf angeboten. Die Fernhandelskaufleute organisierten Verkauf und Schiffstransport und erzielten schwindelerregende Gewinnspannen, so dass die Hansestädte Flanderns zu den reichsten Europas gehörten.

1692 wurde in Ieper die Turmspitze auf dem siebzig Meter hohen Belfried in ihrer heutigen Form erbaut. Gestaltet mit einem durchbrochenen Helm und einem Drachen, befindet sich in dem Glockenturm ein Glockenspiel mit 49 Glocken. Im ersten Weltkrieg wurde die ganze Stadt mitsamt der Lakenhal zerstört und in den folgenden Jahrzehnten originalgetreu wieder aufgebaut. Heutzutage spielt das Glockenspiel jede Viertelstunde das flämische Stück „het Iepers tuindaglied“.

Als der Zugang zur Nordsee versandete, teilte Ieper dasselbe Schicksal mit Brügge. Polder schoben sich ins Meer hinein, die keine Fahrrinne für ausreichend breite Kanäle freiließen. Das war ungefähr im 17. Jahrhundert. Der Handel mit Tuchen kam zum Erliegen, die Städte hinter dem zurückgewichenen Meer verarmten und versanken in Bedeutungslosigkeit.

In dieser Epoche entstand das Ritual, Katzen vom Glockenturm herunter zu werfen. Es war die dunkle Zeit von Aberglauben, Hexerei und Ketzerei. Katzen streunten so zahlreich herum, dass sie zur Last wurden, und man brachte sie mit Hexen in Verbindung. Katzen schärften die Vorstellungskraft, so dass die Menschen in Ieper Zeichen von schwarzer Magie sahen: schwarze Katzen liefen ihnen über den Weg, die dunkle Wolken aufwirbelten, und in diesen dunklen Wolken steckte der Teufel.

So entstand im 17. Jahrhundert der Brauch, Katzen vom siebzig Meter hohen Glockenturm in Ieper herunter zu werfen, um den Teufel zu vertreiben. Ähnlich wie bei Hexen, wurden sie in einem grausigen Schauspiel anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Im Lauf der Jahrhunderte griff der Geist der Aufklärung um sich, so dass sich die Menschen in Ieper der Brutalität ihres Vorgehens bewusst wurden. Fortan wurden nur noch Plüschkatzen vom Glockenturm geworfen.

In den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelte sich daraus der „Kattenstoet“, eine Art von Volksfest mit einem Festumzug durch Ieper, bei dem sich alles um Katzen dreht. Diese Tradition des „Kattenstoet“ wird bis in die heutige Zeit im Drei-Jahres-Rhythmus fortgeführt.

Riesen marschieren bei dem Umzug im Mai mit, ähnlich wie im rheinischen Karneval schlüpfen jede Menge Fußgruppen und Musikkapellen in Katzenkostüme, auf geschmückten Wagen wird die Rolle von Katzen in der Geschichte, in fremdländischen Kulturen und in Legenden erzählt.

Der Höhepunkt nähert sich alle drei Jahre, wenn ein Stadtnarr in einem Narrenkostüm Plüschkatzen von dem siebzig Meter hohen Glockenturm hinunter wirft. Dann ist die Begeisterung der Menschenmenge auf dem Groten Markt nicht mehr zu bremsen.


Freitag, 23. November 2012

Glockentürme (6) - Alter Turm in Ranzel


Von Köln aus kommend, brauste im Dunkeln das Ortseingangsschild vorbei. Die Straßenlaternen ergossen ihr helles Licht. Wie magere Schatten, huschten schlecht ausgeleuchtete Reihenhäuser an meinem Fahrrad vorbei. Ich stoppte am Alten Turm, denn die Neugierde reizte mich, Baudenkmäler vor der eigenen Haustüre kennen zu lernen.

Ich vermutete eine burgähnliche Anlage, die untergegangen war durch Kriege oder andere Zerstörungen, denn der Turm überragte mit seiner steilen Höhe die Umgebung.

Als ich näher trat und die Hinweistafel des Kulturpfades unserer Stadt las, packte mich das blanke Entsetzen. Der Turm hatte nichts mit einer Burg oder einer wehrhaften Befestigung zu tun, sondern es war ein Glockenturm, der zu einer Kirche gehörte, die 1970 abgerissen worden war. Die Straße war ausgebaut worden, und dabei hatte die Kirche gestört.

Ich fühlte mich wie in einer Bananenrepublik. In Romanen von Amir Valle hatte ich von dem beklagenswerten Verfall in Kuba gelesen, wo Häuser in sich zusammenstürzten und Menschen unter sich begruben. Aber niemand würde dort auf die Idee kommen, eine Kirche abzureißen. Ich machte eine gedankliche Reise durch die Welt. Philippinen, Mongolei, Madagaskar, Elfenbeinküste, Equador, Costa Rica, wer würde dort eine Kirche abreißen ? Mein Bild von der Bananenrepublik vor der eigenen Haustüre verdichtete sich.

Der Alte Turm stammte aus dem 12. Jahrhundert. Der Glockenturm beherbergte zwei Glocken aus den Jahren 1847 und 1855. Die Glocke aus dem Jahr 1847 war im ersten Weltkrieg eingezogen worden, um für Kriegszwecke verbraucht zu werden. 1922 wurde eine neue Glocke gegossen. Diese beiden Glocken hatten den zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden. Einmal im Jahr fand ein Turmfest statt, in dem die beiden Glocken „gebeiert“ wurden (das Tradition des Beierns hatte ich bei Marita im Freilichtmuseum Windeck kennen gelernt).

Die romanische Kirche war im Mittelalter zerstört worden, während der Turm aus dem 12. Jahrhundert diese Epoche unversehrt überstand. Im 18. Jahrhundert wurde ein Saalbau in romanischem Stil angebaut. Dieser neu geschaffene Baukörper formte die St. Ägidius-Kapelle. Altäre und Inneneinrichtung fügten sich in üppigem Barockstil ein.

1966 wurde eine neue Kirche gebaut und mit rückläufigen Zahlen von Kirchgängern wurde die Kirche nicht mehr genutzt. Der in die Straße gequetschte Chor muss tatsächlich ein Hindernis für den Verkehr gewesen sein. An dieser Engpassstelle hätte man eine Ampel schalten können, um den Verkehr einspurig durch das Nadelöhr zu führen. So wie ich dies beispielsweise aus Bonn-Oberdollendorf kenne, wo Fachwerkhäuser in die Straße hinein ragen. Aber abreißen ? In unserem Nachbarort, wo ich aufgewachsen bin, zieht sich genauso die Dorfstraße in scharfen Kurven um die Kirche. Dann fließt der Verkehr langsamer, LKW’s müssen aufpassen, man muss auf andere Rücksicht nehmen. Wieso nicht hier ?

Ich verließ den hell erleuchteten Platz, auf dem der Glockenturm seine messerscharfen Umrisse in die Höhe reckte. Die dumpfen Lichtkegel der Straßenlaternen fielen auf den Asphalt, der flüchtig unter meinen Rädern verschwand.

Im Original hatte ich die St. Ägidius-Kapelle nie kennen gelernt. Mit ihrer putzigen und kleinen Gestalt, so wie ich mir sie vorstellte, musste sie einzigartig gewesen sein. Oft waren es nicht die großen Dome oder Kathedralen, die mich faszinierten, sondern die kleinen Kirchen, die zum festen Bezugspunkt wurden und in denen sich der Mensch sich schnell heimisch fühlte.

Eine stille Melancholie überfiel mich. Meine Traurigkeit löste sich im Fahrtwind auf, der über mein Gesicht strich.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Glockentürme (5) - Glockenspiel in Bonn-Bad Godesberg


Dass Nova’s Glockenturmprojekt so viele Ideen erzeugen würde, hätte sie wahrscheinlich nie für möglich gehalten. Angelika, Nova und ich, wir haben mittlerweile mehrer Posts zu diesem Thema geschrieben.

Verknüpfend mit meinem heutigen Post, habe ich zurückgeblickt auf all die schönen Glockentürme. Begriffe und Strukturen habe ich entworfen, worüber diese Posts geschrieben worden sind. Diese führen dann mitten hinein in meinen heutigen Post.

Nova und Angelika zeigen Glockentürme, die gleichzeitig Kirchtürme sind, wobei in Nova’s Glockentürmen auf Teneriffa die Glocken von außen zu sehen sind. In Angelika’s Glockentürmen aus dem Rheinland (Ausnahme Glockenturm Nr. 3) sind die Glocken – wahrscheinlich - in einer eigenen Glockenstube innerhalb des Kirchturms untergebracht und von außen nicht zu sehen.

In meinem zweiten Post über Glockentürme hatte ich die Bedeutung von Glockenspielen erwähnt, die in Belgien und Nordfrankreich zu Rathäusern gehören. Eine Stadtglocke strukturierte die Zeit und gab das Signal zum Öffnen und Schließen der Stadttore, markierte Anfang und Ende der Arbeitszeit oder läutete zu Festivitäten. In diesen Glockentürmen in Belgien und Nordfrankreich befinden sich heute Carillons bzw. Glockenspiele. Auch in Deutschland sind vielerorts in Kirchen oder Rathäusern Glockenspiele zu hören.

Der Bau von Glockenspielen bzw. Carillons ist eine Handwerkskunst, die im 17. Jahrhundert in den Niederlanden entwickelt wurde. Der Glockenspieler bzw. Carilloneur war ein eigener Beruf, der erlernt werden musste. Um als Glockenspiel zu gelten, musste der Carilloneur über mindestens zwei Oktaven das Glockenspiel spielen können. Dazu benötigt das Glockenspiel mindestens 23 Glocken.

Anläßlich der Bundesgartenschau 1979 in Bonn hatten die Organisatoren die Idee, ein Glockenspiel nach der Tradition der Carillons nachbauen zu lassen. Der Bau geschah in den Niederlanden, da dort diese Tradition besonders verwurzelt ist. Dieses Glockenspiel hat genau 23 Glocken, um als Glockenspiel zu zählen. Gebaut wurde die Metallkonstruktion mit den herunterhängenden Glocken – ohne Glockenturm oder Glockenstube. Bei der Bundesgartenschau war das Glockenspiel eine der maßgeblichen Attraktionen und ein niederländischer Carilloneur spielte während der Öffnungszeiten.

Als die Bundesgartenschau beendet war, fand das Glockenspiel einen Platz im Stadtpark von Bad Godesberg. Die Bundesgartenschau liegt mittlerweile mehr als dreißig Jahre zurück. Danach ist auf dem Glockenspiel weder gespielt worden, noch überhaupt etwas gemacht worden. Es ist schlichtweg vergessen worden. Rost hat sich zwischen den Metallteilen gebildet. In der Glasabdeckung sind Öffnungen eingelassen, da Tasten, Klöppel und Züge die Zufuhr von Luft brauchen. Somit dringt Regenwasser ein. Wahrscheinlich ist das Glockenspiel erst nach einer gründlichen Sanierung wieder bespielbar.

Dafür fehlt in der Stadtkasse – natürlich – über Jahrzehnte hinweg das Geld. Die Stadt Bonn hat zwar Geld, beispielsweise Straßenbahnhaltestellen in einer architektonisch aufgehübschten Form neu zu bauen, obschon die alten Straßenbahnstellen ihrem Zweck vollkommen genügen. Das ist so wie in anderen Städten: so etwas wird de-priorisiert, es fehlt sogar dasGeld, um die scheußlichen Schmierereien am Betonsockel zu entfernen.

Im Zusammenhang mit einem Pavillon hatte ich in Nova’s Blog zuletzt gelesen, dass die spanische Mentalität, Bausubstanz zu erhalten, grundlegend anders ist als in Deutschland. Dies muss ich revidieren: Zerfall macht sich auch in Deutschland breit. Und dies an Stellen, wo es durchaus weh tut.

Freitag, 19. Oktober 2012

Glockentürme (4) - St. Stephansmünster in Breisach am Rhein


Das Stephansmünster in Breisach (25 Kilometer westlich von Freiburg an der Grenze zu Frankreich) überragt die Stadt auf seinem Felsen und ist aus allen Richtungen in der Ferne zu sehen. Die Münsterkirche ist romanischen Ursprungs und ist im Chor gotisch umgebaut worden.




Ende 2010 wurde ein Glockenprojekt initiiert, dessen Ziel der Neubau eines Glockenturmes war. Die Glocken des Stephansmünsters sind mehrere Jahrhunderte alt und stammen aus den Jahren 1350, 1491, 1579, 1583 und 1662. Im Zuge des Glockenprojektes wurden drei neue Glocken gegossen. Ebenso wurde die Glocke aus dem Jahr 1579 instandgesetzt, die durch Kriegsschäden aus dem 2. Weltkrieg beschädigt war und im Stadtmuseum von Breisach aufbewahrt wurde. Die Gesamtkosten von 125.000 € wurden vollständig über Spenden finanziert. Die Weihe von zwei neuen Glocken wurde im Juni 2011 mit einem Stadtfest gefeiert. Für die insgesamt vier neuen Glocken wurde in dem kleineren Kirchturm ein Glockenturm neu gebaut. Die anderen Glocken finden sich in dem Glockenturm des größeren Kirchturms wieder. 

Im Inneren der Münsterkirche kann man die instandgesetzte Glocke aus dem Jahr 1579 bestaunen sowie die dritte neue Glocke, die noch nicht geweiht worden ist.



Sonntag, 7. Oktober 2012

Glockentürme (3) - Freilichtmuseum Windeck (Sieg)


Zu Nova's Projekt der Glockentürme möchte ich einen weiteren Beitrag beisteuern.

Dieser Glockenturm der Marienkapelle (18. Jh) aus Altwindeck steht im Freilichtmuseum in Windeck und ist original nachgebaut worden.


Der Glockenturm dient als Anschauungsbeispiel, um die Technik des Beierns zu zeigen. Beim Beiern werden Glockentöne mit Hilfe eines Klöppels erzeugt, der mit der Hand oder von Seilen angeschlagen wird. Das Beiern ist im Rheinland seit dem 14. Jahrhundert belegt. Gebeiert wird zu hohen kirchlichen Feiertagen wie Ostern, Pfingsten, Christi Himmelfahrt oder Fronleichnam. Im Siegtal wird an einigen Orten noch heute am Weißen Sonntag, zu den Prozessionen an Christi Himmelfahrt und Fronleichnam sowie am Kirmes-Samstag gebeiert.

Samstag, 15. September 2012

Glockentürme (2) - Belfriede in Belgien und Nordfrankreich


Nachdem ich zu Novas Gockenturm-Projekt in Spanien an der Costa Brava fündig geworden war, habe ich weiter in früheren Reisen herum gestöbert. Auf Fotos und Postkarten bin ich auf Belfriede (auf Französisch „beffroi“) in Belgien und Nordfrankreich gestoßen.  

Die meisten Belfriede wurden zur Zeit der Gotik gebaut und gehören zu den bedeutendsten weltlichen Bauten des Mittelalters. Ihnen gingen häufig hölzerne Türme voraus, von denen keiner erhalten ist. Sie wurden von den Stadtbehörden, den Zünften oder den Gilden als Symbol der bürgerlichen Macht errichtet, auch gegenüber jener der Kirche. In der Regel ist der Belfried mit dem Rathaus verbunden oder befindet sich freistehend daneben.
Als sicherster Ort einer Stadt beherbergte der Turm in seinem Innern meist das Stadtarchiv, die Schatzkammer oder ein Gefängnis. Darüber hinaus diente er als Wachturm und zum Ausrufen öffentlicher Angelegenheiten. Eine Stadtglocke strukturierte die Zeit und gab das Signal zum Öffnen und Schließen der Stadttore, markierte Anfang und Ende der Arbeitszeit oder läutete zu Festivitäten. Heute befinden sich in den meisten Belfrieden Carillons bzw. Glockenspiele.


Mons ist die Hauptstadt der belgischen Provinz Hainaut und liegt kurz vor der französischen Grenze.


Douai liegt in der französischen Provinz „Nord“. Der Glockenturm gehört seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Seit 1391 befindet sich im Inneren ein Glockenspiel, das mit 62 Glocken eines der größten Europas ist.


Zu dem Glockenturm von Douai existiert ein wunderschönes Gemälde von Jean-Baptiste Corot.




Lille ist die Hauptstadt des Départements „Nord“, das durch die Anfangsziffern 59… auf französischen Autokennzeichen gekennzeichnet ist. Der Glockenturm befindet sich auf der Handelskammer (chambre de commerce), dessen Urspünge während des wirtschaftlichen Aufschwungs der Textilindustrie entstanden.


Glockentürme gibt es auch in kleineren Städten – so in Armentières 20 km westlich von Lille und einen Steinwurf von der belgischen Grenze entfernt.

Diese Grenzregion zwischen Belgien und Frankreich besticht durch ihren spröden Charme und dürfte „üblichen“ Frankreich-Touristen unbekannt sein. Allenfalls auf dem Weg nach Paris fallen die Beschilderungen Richtung Douai, Lille oder Arras auf. Der Glockenturm von Bergues (dort war ich nicht) kommt übrigens auch in dem Kino-Film „Willkommen bei den Schtiis“ vor. Dort wird der Norden Frankreichs als Strafexpedition beschrieben. Im Vergleich zum Süden, ist das Wetter eiskalt wie auf dem Nordpol und es hört nicht auf zu regnen. Dem ist aber nicht so. Als ich in Lille war, hatte ich mich geradezu in diese Stadt verliebt. Lille wird als Paris des Nordens bezeichnet. Das kann ich nur bestätigen.

Freitag, 7. September 2012

Glockenturm


Das Thema liegt fast einen Monat zurück, welches ich aufgreife. Nova hat das Projekt „Glockentürme“ ins Leben gerufen, an dem sich Blogger beteiligen können. Ich habe in unseren Urlaubsfotos gekramt und einen Glockenturm an der Costa Brava in Spanien ausgegraben. Der Ort heißt San Marti d’Empuries und liegt ca. 50 km von der französischen Grenze entfernt.


Leider habe ich keine weiteren Fotos von der Kirche gemacht. Mehr könnt ihr unter der (leider !!!) katalanisch-sprachigen Homepage nachlesen.